Eine wundervoll selbstbestimmte Geburt

im Krankenhaus

Bevor ich diesen Text hier verfasst habe, habe ich mir nochmal die Geburtsakte angeschaut. Da steht unter Geburtsdauer 1:22 Stunden. 

Naja, das stimmt so natürlich nicht ganz…wir waren 1:22 Std. im Krankenhaus. Aber auch wenn diese Geburt recht zügig ging und sehr schön war, einmal der Reihe nach:

Ich war am Vormittag der Geburt zur Routinekontrolle bei meiner Frauenärztin (37+3). Befund: MuMu weich, leichte Übungswehen auf dem CTG – alles palletti, wir sehen uns in 2 Wochen wieder. Total schön zu hören, da ich in den letzten Wochen zeitweise Liegen musste wegen verfrühter Wehentätigkeit und ich nach zwei vorangegangenen Fehlgeburten nicht immer entspannt sein konnte.

Da ich sowieso in der Stadt war, erledigte ich die restlichen Weihnachtseinkäufe und freue mich auf einen entspannten Mittag zu Hause. Unser Großer hatte Oma-Nachmittag und mein Mann und ich wollten das erste WM-Spiel der deutschen Fußballer schauen. Ja, ich hatte immer mal wieder eine super softe Übungswelle (Wehe), aber an Geburt dachte ich (noch) keine Sekunde.

Zu Hause haben wir es uns gemütlich gemacht. Leckeres Mittagessen zu zweit und danach um 14 Uhr gings mit Tee und Snacks auf die Couch – WM-Spiel wir kommen. Doch sobald ich mich hingelegt hatte, merkte ich, dass die Wellen nun stärker sind und iwie auch regelmäßig kommen. Ich konnte mich kaum auf das Spiel konzentrieren und habe immer wieder die Augen geschlossen und wandte die Hypnobirthing-Atemtechniken (Wellen- und Ruheatmung im Wechsel) an. 

In der Halbzeit ging ich auf Toilette und siehe da: der Schleimpfropf ging ab. Für mich war klar: das sind keine Übungswellen mehr: die Geburt geht los! Strahlend lief ich zurück ins Wohnzimmer und verkündete meinem Mann, dass wir heute noch ein Kind bekommen. Er schaute mich total ungläubig an. Ich wollte kein Fußball mehr sehen, zog mich in eine ruhige Ecke zurück, wo ich weiter abwechselnd in Ruhen- und Wellenatmung fand, mir meine Geburtsaffirmationen im Geiste runterbetete und intuitiv die Bewegungen machte, die ich brauchte (laufen, Becken kreisen im Stehen und sitzen, vorneüberlehnen…). Meinen Mann brauchte ich nicht – er konnte weiter TV schauen. 

Um 17 Uhr fuhr mein Mann zu meiner Schwiegermutter, um den Großen abzuholen und ich bat in der Zwischenzeit meine Mama, dass sie zu uns kommt und einfach in der Wohnung anwesend ist – ich wollte nicht alleine sein. Meine Mama war sehr aufgeregt und konnte kaum mit ansehen, dass ich eine Welle nach der anderen veratme, noch durch die Gegend laufe und noch keinen Drang verspürte ins Krankenhaus zu fahren. Ich musste sie mehrmals bitten, sich zurückzunehmen. Schnell waren auch mein Mann und mein Sohn wieder da, auch mein Bruder kam mal kurz vorbei und ich fand die Stimmung zu Hause echt schön.

Da mir klar war, dass unser Babybauchshooting, dass 2 Tage später sein sollte nun ausfällt, haben wir sogar in den Pausen zwischen den Wellen noch ein paar Fotos von uns und dem Bauch gemacht. Aber dennoch, die Wellen waren schon heftig, ich musste richtig viel veratmen und hielt mich immer wieder an meinen Affirmationen fest. Zudem wechselte ich ständig zwischen Laufen und stehendem Beckenkreisen.

Um 19 Uhr riefen wir im Kreißssaal an, um uns anzumelden. Die Wellen kamen nun im Abstand von 5 Minuten und ich spürte, dass es nicht mehr ewig dauern würde. Dort hieß es, dass wir jederzeit willkommen sind und es zum Glück auch recht ruhig sei.

Um 19.30 Uhr hatte ich dann das Gefühl, dass wir uns auf den Weg machen sollten. Wir verabschiedeten uns vom Großen und fuhren los. Fürs Auto hatte ich eine Wärmflasche dabei, die mir im Rücken guttat und ich war total froh, dass es dunkel war und mich nichts ablenkte von der konzentrierten Atmung und der Wiederholung der Affirmationen.

Um kurz nach 20 Uhr waren wir im Kreißsaal. Es blieb auch keine Zeit mehr für eine ordentliche Anmeldung. Wir sind direkt in das Geburtszimmer marschiert und auch die Hebamme sah direkt, dass hier gerade ne Geburt in einer sehr weiten Phase ist.

Ich hatte Wellen im Abstand von 2-3 Minuten, der MuMu war bei 8cm und das CTG bestens. Dieses Mal machte ich den Kreißsaal auch zu MEINEM Zimmer und es lief alles nach MEINEN Regeln. Das CTG wurde in Bewegung gemacht. Ich lief in den Wellen-Pausen immer eine bestimmte Route durch das Zimmer und sobald eine Welle anrollte, beugte ich mich über das Bett, stützte den Oberkörper ab und ging mit der Wellenatmung mit. Mein Mann musste bei jeder Welle meinen Rücken massieren (Light-Touch-Massage.)

Bei einer weiteren Untersuchung meinte die Hebamme, dass die Geburt unmittelbar bevorsteht, allerdings war die Fruchtblase noch nicht offen. Sie schlug vor, diese manuell zu öffnen. Wir hörten uns die Vor- und Nachteile an und entschieden uns für die Öffnung. Sie wurde während einer Welle gemacht und empfand ich als äußerst schmerzhaft. Und danach ging es ganz schnell. Ich klammerte mich in einer aufrechten Hocke an die Rückenlehne des Kreißbetts und verspürte einen starken Pressdrang. Mein Körper wollte intensiv unser Baby nach draußen schieben. Gerne gab ich diesem Drang nach – auch wenngleich die heftige Phase eintrat. Das Köpfchen muss über den Damm und ich fluchte innerlich, dass ich dieses krasse schmerzhafte Gefühl wohl vergessen hatte und erinnerte mich daran, dass das der „Scheiß-Moment“ einer Geburt ist. Dabei setzt dann auch noch eine längere Ruhephase ein – mein Körper sammelte wohl nochmals Kraft für die finalen Geburtswellen – das Köpfchen konnte man schon ertasten und erste Härchen sehen. Nach einer gefühlten Ewigkeit – es waren wohl nur 2-3 Minuten – schob ich ein letztes Mal kräftig mit der Welle mit und unser Sohn wurde geboren. Ich war in der Hocke und nahm ihn direkt auf und legte ihn mir auf meine Brust. Nach einem kurzen Moment begann er auch zu schreien und wir realisierten, dass wir nun die Eltern von zwei wundervollen Jungs sind!

Geschafft! Jetzt war ganz viel Zeit zum Kuscheln, zum ersten Stillen und um auf die Plazenta zu warten! Und auch Zeit für erste Fotos mit unserem kleinen Schatz und für Stärkung – wir hatten plötzlich alle Hunger und haben uns genüsslich über unsere Snacks hergemacht.

Wir sind dann noch einen weiteren Tag im Krankenhaus geblieben, haben ein Familienzimmer bezogen und sind dann ins gemütliche Wochenbett nach Hause gewechselt – inkl. stolzem großen Bruder! 

Rückblickend möchte ich sagen: Diese Geburt war wunderschön - endlich selbstbestimmt und so, wie ich es wollte. In keinem Moment fühlte ich mich handlungsunfähig und das war mir das Wichtigste. Ich bin so froh, dass ich mich nachhaltig mit Hypnobirthing bzw. mentaler Geburtsvorbereitung auf diese Geburt vorbereitet habe. Das hat mir diese Aktivität, Selbstvertrauen und Stärke gegeben! An alle Mamas: bereitet euch gut vor und holt euch, eure Traumgeburt!